Chronik


Die Jahre 1911 - 1946


Das Gründerfoto von 1911


Im Frühjahr 1911, vor nunmehr 100 Jahren, fand sich eine Gruppe von 9 jungen Männern - Johann Corsmeier, Josef Westhoff, Wilhelm Bregenhorn, Johann Thiesbrummel, Konrad Brüggemann, Gerhard Hellweg, Otto Wittenstein, Eberhard Cahmen und Heinrich Schierl - zusammen, um ihr Vorhaben des gemeinsamen Musizierens umzusetzen und gründete den Musikverein Avenwedde. Man kann annehmen, dass seinerzeit, als noch niemand an die Möglichkeiten des Rundfunks, Fernsehens und des Internets dachte und der Mangel an Verkehrsmitteln zumindest im Bereich der breiten Bevölkerung eine überörtliche gesellschaftliche Betätigung kaum zuließ, es noch verhältnismäßig leicht war, in Nachbar- und Freundeskreisen eine Interessengruppe zusammenzubringen. So hieß es laut Überlieferung dann auch in der Gründungssatzung, Zielsetzung des Vereins sei, „sich und anderen Kurzweil zu bereiten.“ Der Idealismus wurde jedoch insofern sofort auf eine harte Probe gestellt, als die Instrumente aus eigener Tasche bezahlt werden mussten. Notenkenntnisse waren soweit vorhanden, wie sie die Volksschule vermittelt hatte. Das war sicher nicht viel, von Harmonielehre ganz abgesehen.


Ob der später langjährige Vorsitzende Heinrich Schierl (Strangmüller) von Anfang an der Leiter der Gruppe war, ist nicht mehr festzustellen. Schon im November 1912 traute sich die kleine Gruppe, dem damaligen Pfarrer Klemens Wien, der 1910 nach Friedrichsdorf gekommen war, zum Namenstag ein Ständchen zu bringen. Bei der Verabschiedung soll er empfohlen haben: „Jungens, ihr müßt aber noch viel üben!“


Im Herbst 1913 nahm der Verein erstmalig mit Instrumenten an der Wallfahrt nach Wiedenbrück teil. Die Einweihung der neuen Herz-Jesu-Kirche im Jahre 1914 wurde von dem kleinen Orchester mit Chorälen umrahmt. Als einige Wochen später der 1. Weltkrieg ausbrach, wurde die hoffnungsvolle Vereinsarbeit brutal unterbrochen. 1918, nach dem Kriege, aus dem 2 Musikkameraden nicht heimkehrten, wurde die Arbeit von 9 Avenwedder Musikanten beherzt und mutig wieder aufgenommen.



Orchesterfoto: 25-jähriges Jubiläum von 1936





Im Jahre 1925 trat für das Orchester ein grundlegender Wandel ein. Der Junglehrer Leo Trendelberend aus Avenwedde erklärte sich bereit, die weitere Ausbildung und Stabführung zu übernehmen. Leo Trendelberend schrieb ein beachtenswertes, heute noch vorhandenes Notenbuch mit Partituren aus Konzertstücken, Chorälen und Liedern, welches von einer echten Liebe zur Sache zeugt. Leider wurde er nach zwei Jahren versetzt. Im Jahre 1929 wurde schon ein Satz Kesselpauken angeschafft. Die Kesselpauken kosteten damals 325 Deutsche Reichsmark. Für eine 27 Mann starke Kapelle eine hohe Investition. Die Kesselpauken werden noch bis heute zu Ausbildungszwecken verwendet.

Inzwischen hatte sich das aktive Mitglied Alfons Venjakob durch Kurse und Selbstschulung soviel Kenntnisse angeeignet, dass er kurzerhand den Dirigentenstab übernahm und das 25 Mann starke Orchester in eine Blütezeit führte. Seine Liebe zur Musik Richard Wagners brachten ihn und sein Orchester in einigen Jahren dahin, aus den bedeutendsten Opern von Wagner zu interpretieren. Im Konzertprogramm zum 25-jährigen Bestehen am 11. Oktober 1936 wurden im ersten Teil allein 8 Stücke dieser Art vorgetragen. Der Eifer, mit dem geprobt wurde, geht aus einer noch vorliegenden Anwesenheitsliste des Jahres 1932 hervor.







LeoTrendelberend, Dirigent von 1925-1927.


Durchmarsch (heutige Berliner Straße) bei der Michaeliswoche im Jahre 1936


Über das Wirken des Musikvereins in Zeit des Nationalsozialismus liegen heute nicht mehr viele Dokumente vor. Ein Foto zeigt den Musikverein beim Michaelisumzug 1936 in der heutigen Berliner Straße in Gütersloh. Es muss wohl davon ausgegangen werden, dass es auch in Reihen des Orchesters Anhänger dieser menschenverachtenden Ideologie gab und dass eine Blaskapelle wie der Musikverein sicherlich für militaristische Zwecke nützlich war. Inwieweit man sich seitens des Musikvereins dabei gebraucht oder mißbraucht fühlte, kann heute nicht mehr zweifelsfrei ermittelt werden. Ab der ersten Hälfte der vierziger Jahre ruhte dann der Vereinsbetrieb. Fast alle Musiker wurden zum Kriegsdienst eingezogen.


Aus dem Völkermord des 2. Weltkriegs kehrten 10 aktive Musikkameraden nicht heim. Einige ältere Mitglieder sahen die Erfolge der frühen Jahre als ein Vermächtnis an und brachten den Mut auf, einen neuen Anfang zu versuchen. Im Jahre 1946 begann man unter der Leitung von Peter Gries, Organist der Herz Jesu Kirche, mit Proben und vor allem mit Werbung um neue Kräfte. Nach 1½-jähriger Tätigkeit übergab Peter Gries den Dirigentenstab an Peter Blomberg, der schon einige Jahre vor dem Krieg aktiv war und sich inzwischen als Militärmusiker umfangreiches Fachwissen und Können angeeignet hatte.




Alfons Venjakob, Dirigent von 1927 bis zum Krieg

Peter Blomberg, Dirigent ab 1946